St. Noa’s family – ein kurzes Porträt

St. Noa’s Family ist ein Waisenhaus, ca. 25 km von der Hauptstadt Kampala entfernt. Es ist vor über 30 Jahren von einer Gruppe katholischer Priester gegründet worden, um Kindern ein Überleben zu sichern, deren Eltern direkt oder indirekt in Folge des Bürgerkrieges in Uganda unter Idi Amin und Milton Obote ihre Kinder nicht großziehen konnten.

 

St. Noa ist eigentlich so, wie ich mir immer ein SOS-Kinderdorf vorgestellt habe: Eine große Familie mit derzeit fast 100 Kindern vom Säuglingsalter bis zu Jugendlichen, die 18/19/20 Jahre alt sind. Fast alle Kinder sind Voll- oder Halbwaisen. Die meisten kommen hierher, wenn sie noch sehr klein sind.

Kopf dieser „Familie“ ist Father Peter (Piet Hooyschuur), ein holländischer katholischer Priester, der vor 45 Jahren mit Missionsarbeit in Uganda (Mission of Africa) begonnen hat.

 

Für mich persönlich war das Kennenlernen, Zusammenarbeiten und Diskutieren mit Father Peter, die wohl faszinierendste Begegnung eines 3 monatigen Aufenthaltes in Uganda – und um es schon mal vorwegzunehmen: ich konnte kein einziges Klischee eines katholischen Missionars an ihm ausmachen. Stattdessen faszinierte mich ein liebevoller, intelligenter, sehr weltlich und toleranter, „schelmischer“ und gesellschaftskritscher Mensch immer noch voller Ideen, der mit seinen 75 Jahren durch sein Wirken mit Sicherheit mehr als 500 Kinder vor Hunger und Tod bewahrt hat.

 

Die Kinder und Jugendlichen leben je nach Alter und Geschlecht in unterschiedlichen Häusern auf dem ca. 3 Hektar großen Gelände. Die Ausstattung ist minimal (und die Kids haben eigentlich keinerlei persönlichen Besitz). Es gibt einen großen Gemeinschaftsraum zum Essen, Schularbeiten machen, spielen. Ansonsten kann man sich das wie einen kleinen Bauernhof vorstellen mit großem Garten, vielen verschiedenen Tieren, Ställen und 5 großen Fischteichen.
Bis zum 14/15 Lebensjahr gehen die Kids in die umliegenden staatlichen Schulen. Die Älteren gehen (sofern Geld vorhanden ist) in sogenannte „Bording schools“ (kann man sich wie Internate vorstellen) und sind nur in den Ferien in „der Familie“. Die Kinder werden (für afrikanische Verhältnisse) liebevoll, aber auch streng von 6 sogenannten Bamamas betreut, die dort 24 Stunden rund um die Uhr mit den Kindern und Jugendlichen zusammenleben. Dies wird von Mama Getu organisiert, die (als in der „Familie“ selbst groß gewordenes Waisenkind) zusammen mit Father Peter die Hauptverantwortung trägt und aufgrund des Alters von Father Peter immer mehr die organisatorischen Fäden und die finanzielle Verantwortung übernimmt.  Zusätzlich übernehmen die älteren Jugendlichen viele Aufgaben bei der Betreuung der jüngeren Kinder. Alle erledigen die täglichen Arbeiten gemeinsam (Essen vorbereiten, Waschen, Saubermachen und sind am Wochenende und in den Ferien auch daran beteiligt, Arbeiten im Garten, Tieraufzucht, Fischteiche zu übernehmen, mit denen Einnahmen generiert werden. Das Ganze hat wirklich Familiencharakter und ich fand den sozialen Umgang miteinander in St. Noa extrem beeindruckend.

 

Die Haupteinnahmen kommen aus Holland und dort aus der katholischen Kirche des Bistums Roermond.

Unterstützenswert halte ich für St. Noa insbesondere „pfiffige“ Jugendliche zu „supporten“, die dann an privaten Schulen außerhalb der (sehr schlechten) staatlichen Schulen eine deutlich bessere Bildung bekommen können. Auch die vielen Infrastruktur-Projekte, um künftig mehr eigene Einnahmen zu generieren, halte ich in St. Noa immer wieder für unterstützenswert.

(Marko Hoffmann – 3 Monate Volunteer in St. Noa)